In den letzten Jahren ist ein spezifisches Gospelkombinatsproblem aufgetaucht: Die meisten Chormitglieder singen am liebsten, „was sonst keiner singt“ – also eigene Stücke, wie sie ja praktischerweise auch im Gospelkombinat produziert werden. Das Publikum hingegen freut sich immer, wenn es Lieder zu hören kriegt, die man kennt und vielleicht sogar ein bisschen mitsingen kann.

Wie geht das zusammen?

Eigentlich ganz einfach: Indem man Stücke nimmt, die man kennt und vielleicht sogar ein bisschen mitsingen kann, und sie trotzdem kombinatstypisch neu aufbereitet. Kombinatstypisch heißt in diesem Fall: Wir werfen, wie es uns in den letzten Jahren zur Gewohnheit geworden ist, biblische Psalmen ins Rennen. Dann wird daraus:

psalms & spirituals

Dabei gehen wir noch ein Stück weiter als bei „psalms & chorales“: Wir bauen nicht nur Tandems aus je einem Psalm und je einem Choral, sondern arbeiten jeweils ein klassisches Spiritual mit einem passenden Psalm zu einem Lied zusammen.

Wie das geht? Kommt am besten und hört es euch an!

Für uns ist dieses Programm jedenfalls nicht nur ein Kompromiss zwischen Chor und Publikum, sondern auch eine Entdeckungsreise zu den Wurzeln der Gospelmusik. Zwar liegt die Entstehungsgeschichte vieler Spirituals im Dunkel der nordamerikanischen Sklaverei, aber dennoch haben viele dieser Lieder ihre ganz eigene Geschichte. Diese Geschichte ist nicht immer schön – wir haben zum Beispiel entdeckt, dass ein altes Stück aus unserem Repertoire eigentlich gar kein Spiritual ist, sondern als Minstrel Song dazu geschrieben wurde, sich über den Glauben der schwarzen Sklaven lustig zu machen… Die meisten Geschichten aber erzählen von der großen Hoffnung und Widerstandskraft, die diese einfachen Glaubenslieder für ihre allerersten Sängerinnen und Sänger freigesetzt haben.

Spannend sind auch die Geschichten, die die Lieder selbst erzählen. „Swing low, sweet chariot“ oder „Rock my soul“ kennen sicher die allermeisten – aber wer kennt schon die biblischen Geschichten, die hinter den knappen Liedtexten stehen? Wer kann verstehen, warum sich jemand mit der Klage „Sometimes I feel like a motherless child“ ausgerechnet an Gott wendet, warum Frieden und Entlastung „Down by the Riverside“ warten sollen oder warum „Wade in the water“ Hilfe auf einer abenteuerlichen Flucht sein konnte?

Wer sich dafür interessiert, kann an unseren „psalms & spirituals“ also auch was lernen. Vor allem aber ist das das mitsinggeeignetste Programm, das wir je hatten. Manchmal ist das Publikum sogar als eigene Stimme eingeplant. Also seid mutig, seid gespannt und kommt es euch anhören!

psalms & spirituals 1
besteht aus

Psalm 16 / „Rock my soul in the bosom of Abraham“ / Nachdichtung zu Lk 16
Psalm 18 / „Joshua fit the battle of Jericho“
Psalm 27 / „Sometimes I feel like a motherless child“
Psalm 46 / „Down by the Riverside“
Psalm 68 / „Swing low, sweet chariot“
Psalm 95 / „Wade in the water“
Psalm 139 / „It’s me, it’s me, it’s me, o Lord“
… und weitere Stücke in Arbeit.