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Freitag, 18. August, Auf den Spuren gemalter und gedruckter Bücher: Eine achtköpfige Kombinatssplittergruppe macht sich morgens frohgemut auf den Weg Richtung französischer Grenze. Der Mont d’Odile (Odilienberg), ein Wallfahrtsort, ist unser Ziel. Mit fröhlichen Gesängen bringen wir uns schon unterwegs in Stimmung und wandern anschließend Kreuzwegstationen entlang auf das Kloster zu. Wir bestaunen großflächige, bunte Mosaiken in den Kapellen und versuchen, ihre Bedeutung zu entschlüsseln. In der Tränenkapelle begegnet uns erstmals Herrad von Landsberg, deren Andachtsbuch „Hortus Deliciarum“ im Verlauf des Tages besondere Faszination entfaltet.

In der Engelskapelle treffen wir viele alte Bekannte: Josef, Maria und das Jesuskind, umgeben von der üblichen Szenerie aus Hirten, Weisen und Engeln; die Jünger Jesu bei der Himmelfahrt; und der Erzengel Michael, dessen Kampf mit dem Drachen von vielen kleinen Eulen flankiert wird, die uns an den Eulenhorst im alten Quartier erinnern. Wir lernen, dass auch die Engel alten Vorstellungen zufolge in Chören organisiert waren – aber hierarchischer als wir.

Im Kloster selbst lernen wir die theologisch und pädagogisch gut durchdachten Bilder der Herrad von Landsberg kennen – und natürlich auch die heilige Odilie, die in besonderer Weise mit Blinden in Verbindung gebracht wird. Wir erfahren, dass sie selbst blind geboren und später geheilt wurde – ganz ähnlich wie die Blindgeborene, über die wir demnächst in einer Kantate zu Joh 9 singen werden.

Eine Sehenswürdigkeit der ganz eigenen Art entdecken wir gegen Ende: Der Schirm, mit dem Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch auf dem Odilienberg gegen die Sonne geschützt wurde, steht nun im Altarraum, um die Kirche zur (romverbundenen) Basilika zu adeln. (Um das zu verstehen, fehlt uns vielleicht der katholische Hintergrund.)

Die Pilgerspeisung nehmen wir in freundlichem Sonnenschein zu uns und kosten uns noch durch ortstypischere Süßigkeiten wie „Kougelhopf“ und Macarons. Zur weiteren Stärkung brechen wir anschließend zur Odilienquelle auf. Das Wasser dieser Quelle soll bei Augenkrankheiten helfen, aber auch Gerüchte anderweitiger Wundertätigkeit halten sich hartnäckig: Ob wir damit schöner singen oder gar aussehen werden...? Wahrscheinlich beides, denn als wir an der Quelle zu singen beginnen, verharren einige andere Besucher ganz andächtig (bzw. andächtig mit dem Handy filmend) und sind anschließend neugierig, woher wir denn kommen. Auf dem Weg zurück nach oben bieten Brombeeren am Wegesrand einen willkommenen Anlass, auf dem steilen Aufstieg auch mal stehenzubleiben.

Nach einer abenteuerlichen Auspark-Aktion steuern wir unser nächstes Ziel an: Auf das gemalte Buch der Herrad von Landsberg setzen wir jetzt die Buchdruckstadt Straßburg, natürlich mit angemessener Würdigung des Gutenberg-Denkmals. Ansonsten ist unser wichtigster Anziehungspunkt das Straßburger Münster, in dem wir uns viel Zeit lassen, die beeindruckenden Glasfenster zu studieren, die astronomische Uhr zu betrachten und die Atmosphäre auf uns wirken zu lassen. Davon erholen wir uns in einem Café und einem in vielerlei Hinsicht entzückenden Süßwarenladen in der Innenstadt. Das Abendbrot erjagen wir uns schließlich in einem riesigen Supermarkt am Stadtrand und belohnen uns damit nach der Rückkehr ins Quartier: Kanon-singend, Partybus-tanzend und nach Kräften Stau-vermeidend sind wir gut wieder zurückgekommen und ganz beglückt von einem wunderbaren Tag.